Martina Mackamul
Falter
Sie ist nicht fern

Erinnerung an meine Großmutter


Sie war ganz weich, rund und sanft.
Und hatte doch ihr Leben fest in der Hand.
Sie kocht für uns nur das Allerbeste
jeden Tag zu einem Feste.

Sie hat uns sich selbst geschenkt.
Und jeder von uns, der an sie denkt,
vermißt sie schwer, es kommen Tränen.
Doch wer sie war, kann ich nur wähnen.

Daß sie gern tanzte, weiß ich heut
doch nicht von ihr, von and're Leut.
Was war sie für eine schöne Frau,
sagt das Bild, ich seh's genau.

Als sie dann ging
war sie nicht fort
Sie ist an einem and'ern Ort.
Von da und dort
hör ich auch heute
liebe deine eignen Leute.
Sie ist nicht fern
sie ist ganz nah.
Ich denk an sie
dann ist sie da.


Weil ich sie jeden Tag erlebt,
hat sie ein Stück von mir gewebt,
das ewig wird verbunden sein,
der Welt zum Trotz und allem Schein.

Weil sie ein Stück von mir im Leben,
so will ich gerne weitergeben,
all die Liebe, die sie gab,
die niemand mitnimmt in ein Grab.
An meine Kinder und auch deren.
Will wie sie auch ich mal werden.

Dann sag ich danke, laß sie geh'n
ich weiß, sie hat genug geseh'n.
Sie sagt, sie freut sich auf die Ruhe.
Sie hat genug getan, getragen, ausgehalten
denn es waren schwere Zeiten,
drei kleine Kinder, keinen Mann.
Sie hat getan, was sie nur kann.

Als sie dann ging
war sie nicht fort
Sie ist an einem and'ern Ort.
Von da und dort
hör ich auch heute
liebe deine eignen Leute.
Sie ist nicht fern
sie ist ganz nah.
Ich denk an sie
dann ist sie da.

(2003)